Wieso erzählt uns niemand, wie es weitergeht, wenn die Prinzessin endlich den Prinzen gefunden hat? Wieso hören viele Märchen, gerade da auf? Als wäre es das erhabene Ziel eines jeden Mädchens, einen Mann zu finden der sie glücklich macht und diesen zu heiraten. Da quietscht in mir drin die kleine Rebellin bereits auf. Selbstverwirklichung? Gleichberechtigung? Persönlicher Wachstum und Entwicklung einer Beziehung? Wo bleiben diese Dinge?

Bei der Arbeit mit meinen Kundinnen fällt mir immer wieder auf, wie tief diese Märchen in uns verankert sind. Wie oft die grosse Ratlosigkeit eintritt, wenn die grossen Meilensteine eines Mädchens erreicht wurden und dann nach der Hochzeit und den Kindern die Partnerschaft kriselt. Es erscheint wie ein unerklärliches Mysterium, wenn man Paare sieht, welche bereits seit 40 Jahren glücklich zusammen sind. Nicht oft merke ich, wie sogar diese Geschichte angezweifelt wird, denn soviel Glück gibt es ja nicht, oder?

Jeder Mensch hat einen eigenen Rhythmus, jeder Mensch hat einen eigenen Zyklus. Jeder hat seine Zeiten und Tage. Diejenigen die bereits Kinder haben können sich vielleicht gut an die Kennenlernzeit mit einem Neugeborenen erinnern. Da gibt es Zeiten da trinken die Kinder nicht gut, dann gibt es Zeiten da quengeln sie einfach, da gibt es Zeiten da brauchen sie die Nähe von Mami, es gibt Zeiten da wird dann Papi benötigt und Mama hat erstmal nichts mehr zu sagen, es gibt Zeiten da sind die Grosseltern gefragt oder der Götti und die Gotte. Diese Zeiten, Rhythmen und Tage hören jedoch nie auf. Sie verändern sich, so wie der Mensch sich verändert.

Eine Beziehung hat auch ihren Rhythmus und ihre Zeiten und man kann sie sehr gut mit einem Neugeborenen vergleichen. Man beschnuppert sich, man berührt sich, man lernt sich kennen, man wird vertraut miteinander, nähert sich an und entfernt sich wieder. Die Natur ist Veränderung, die Natur ist Rhythmus und Zyklus und nur wenn du es zulassen kannst, dass du – dein Partner – deine Beziehung sich verändern dürfen, nur dann bleibt sie lebendig und am Leben.

Ausserdem möchte ich etwas zum Thema streiten sagen. Ich trage südländische Gene in mir und ich geniesse es, eine Streitkultur zu führen. Die Energie muss manchmal raus und dadurch kann sich auch etwas verändern. Zurückgehaltene Energie führt irgendwann zu einer Implosion oder Explosion, beides ist nicht ratsam und gesund. Zum Thema Kommunikation und Sprache einer Beziehung gibt es mittlerweile tonnenweise Ratgeber und ich finde einige davon ausgesprochen gut. Die Sprache hilft uns zu verständigen und sie hilft uns auch richtig zu streiten. Die Emotionen zu formulieren und Veränderungen zuzulassen.

Jegliche Stagnation oder Starre in einer Beziehung kältet die Gefühle ist. Reibung verursacht Wärme, sagt mein Mann. Er ist Elektriker, also muss er es wissen ;D