Ich komme ja aus einer totalen Multikulti-Familie und auch aus einem Multikulti-Land. Mittlerweile bin ich länger in der Schweiz, als ich in Wien gelebt habe und ich kann von Herzen sagen, dass ich hier absolut Zuhause bin. Bern ist eine so wunderbare Stadt und die Schweizer Kultur ist so freundlich! Sooft wird sich bedankt und entschuldigt und ä Guete gewünscht. Sowas kannte ich in der Form überhaupt nicht. 

Ich muss gestehen, dass ich bis heute nicht ganz verstanden habe, wie das zusammen Abmachen, sich treffen und begegnen genau hier in der Schweiz abläuft. Es scheint ein Buch mit 7 Siegeln zu sein und ich vermute, dass sogar die SchweizerInnen damit so ihre liebe Mühe haben. Es kommt mir vor wie ein Balztanz exotischer Vögel. Also eine Art geheimes Ritual zu der es keine offizielle Erklärung gibt wie es ablaufen muss. Damit du verstehst was ich meine, muss ich jedoch etwas ausholen:

Sich begegnen in zwei Takten

Bei uns in Wien war es früher normal, dass wenn man bei Freunden / Bekannten / Verwandten in der Nähe vorbeikam, dass man dann einfach an der Tür läutete um Hallo zu sagen. Natürlich hatten wir damals noch kein Handy um das telefonisch oder schriftlich kurz zu klären. Es gab allerdings an allen Strassenecken Telefonzellen. Die waren jedoch für den Notfall oder um ein Taxi zu rufen, ansonsten hat man die (unhygienischen) Dinger nicht benutzt. Also haben wir geläutet. Und wie lange dieses Hallo ging wusste man meistens vorher nicht. Manchmal war es nur ganz kurz, manchmal blieben wir den halben Tag dort hängen. So etwas gibt es in der Schweiz nicht. Man läutet nicht einfach an der Türe. Ich weiss das, denn man hat es mir zu meinen Anfängen in der Schweiz zweimal sehr ausführlich (und leicht schockiert) erklärt. 
In der Schweiz macht man ab.

Abmachen: terminliche Festlegung einer Begegnung
Wenn man also jemanden kennenlernt – und damit meine ich nicht eine Art von Datingtreffen – sondern sagen wir als Mami mit Kind lerne ich eine andere Mami kennen. Da fragt man dann aber eher nicht nach dem ersten Treffen nach der Telefonnummer, sondern betastet sich so langsam. Wenn man sich dann regelmässig zufällig am Spielplatz getroffen hat und genug Mut aufgebracht hat um nach einer Telefonnummer zu fragen, kann es aber immer noch sein, dass man zu aufdringlich wirkt. 

Mir persönlich fällt es unglaublich schwer die Grenze zwischen Nähe und Distanz richtig zu erkennen und darauf einzugehen. Selbst wenn ich jemanden super sympathisch fand und wir uns lange zusammen unterhalten hatten kam kein Treffen zustande. Ich tauschte oft die Telefonnummer und lud die Mamis zum Spiele-Kaffee ein. Dann kam das reguläre WhatsApp – PingPong: Wann, wo, in welchem Rahmen, wer hat welche Bedürfnisse, können die gedeckt werden, fällt man auch nicht zur Last, passt der Zeitrahmen, stört man die Person bei etwas, usw… Kam nur der Verdacht auf, mein Kind könnte 30min länger schlafen und die Zeitschiene könnte sich verschieben: wurde abgesagt. Man wollte nicht grenzüberschreitend oder aufdringlich sein.

Umgekehrt empfand ich es fast noch schwieriger, nämlich wenn ich eingeladen wurde bei Frauen die ich noch nicht so lange kannte. Wir verabreden uns also zum Spielenachmittag. Wir haben definiert, dass dies ein zVieri beinhaltet, wobei jeder für sein Kind und dessen Vorlieben selber etwas mitbringt. Alles für mich ok. Es gibt Kaffee für mich (juhui). Die Räume wo sich die Kinder bewegen dürfen sind klar. Sicherheitsvorkehrungen anhand ausreichender Anzahl Triptraps sind getroffen worden. Die Wohnung wurde auf Hochglanz geputzt, genauso wie die Kids. Unterhalten können wir uns dann doch nicht wirklich, denn alle zwei Sekunden springen wir den Kleinen hinterher und stellen sicher, dass weder das andere Kind noch die Einrichtung Schaden nehmen.

Mamis: entspannt geht anders…
Dennoch gibt es da ganz viele einsame Mamis. Vereinsamt, weil sie zwar von Menschen umgeben sind, aber alleine. Sich nicht mitteilen und über ihre Sorgen sprechen können. Ständig Besuch ist ja auch anstrengend und das geht nicht immer so. 
Ganz ehrlich? Ich kann das total verstehen! Ich kriege regelrecht ein Schleudertrauma von diesem hin und her bis man sich gefunden und gesehen hat. Da gibt es bei mir im Umfeld zum Beispiel einige wunderbare Frauen. Sie sind toll und ich vermisse sie schrecklich! Aber wir finden keinen Rahmen der in den Terminkalender passt, die Bedürfnisse aller absteckt, niemandem Schwierigkeiten bereitet und Zeit für den Wohnungsputz lässt. Das ist furchtbar! 

In der Schweiz gibt es so einen Spruch der heisst: „sFüfi grad lah si“
Heisst übersetzt die Fünf gerade sein lassen, da es sich ja um eine ungerade Zahl handelt. Man soll also grosszügig sein, ein Auge zudrücken, eine Sache nicht zu eng sehen. Genau das dürfen Mamis heute auch. Sie dürfen die Fünf gerade sein lassen und sich nicht um alles Sorgen und kümmern. Du brauchst Menschen um dich. Noch mehr: Du brauchst Freunde die dir ein Rudel bilden. Einen Tribe der dich mittragen kann! 

Dafür darfst du: deine Verantwortung ein wenig abgeben, deinen Raum ein wenig öffnen, die Vorbereitungen reduzieren, die Wohnung weniger putzen, dich einladen lassen, geniessen, dich entspannen, ein wenig spontaner werden und ein bisschen mutiger sein:

„Ich möchte dich gerne sehen. Auf ein Glas Wasser. Mir ist egal, ob die Wohnung geputzt ist oder die Kinder nach Spagettisauce riechen. Ich brauche keinen selbst gebackenen Kuchen und keine Terminvereinbarung über 3 Monate. Ich brauche dich. Also komm doch einfach vorbei. Die Möbel im Spielezimmer sind angeschraubt und die Kaffeemaschine in 1 min parat…“

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Bild Pexels von Adrianna Calvo

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