Das Bereuen, dass man nicht früher angefangen hat

Wenn man jung ist – und damit meine ich so zwischen 15-25 – dann gibt es nicht viele Dinge denen man gross nachhängt. So war es bei mir zu mindestens. Danach beginnt man eher sich gewisse Gedanken zur Vergangenheit oder Zukunft zu machen. Dann gibt es die sogenannten Wilden Jahre in welche jede Frau hineingerät zwischen 28 – 32. Es sind die Jahre in denen man einerseits noch so einiges nachholen möchte, gleichzeitig aber auch probiert sich grösseren Entscheidungen zu stellen wie: Möchte ich Karriere oder Familie, noch eine Ausbildung machen, eine längere Reise planen, sesshaft werden, uvm. Oftmals fängt in dieser Zeit auch die innere Uhr an zu ticken und viele Frauen setzen sich mit dem Thema vielleicht zum ersten Mal auseinander.

Danach trifft man eine ganze Reihe grosser Entscheidungen, welche die nächsten 10-20 Jahre prägen. Mit 40 treten wir nochmals in eine Art verwirrende Jahre ein, wenn wir überlegen nochmal oder überhaupt ein Kind zu bekommen, sozusagen solange es noch möglich ist. Alleine der Aspekt, dass nun die Fruchtbare Lebenszeit nun langsam abläuft, wirft eine innerliche Unruhe auf. Und je nachdem wie du dein Leben vorher gelebt hast, desto unterschiedlicher nimmst du diese Jahre dann auch wahr.

Natürlich folgen nachher noch weitere verschiedene Entwicklungs- oder Veränderungszeiten, allerdings möchte ich auf diese hier nicht weiter eingehen.

Als ich 21 war habe ich mich intensiver mit meiner Sensitivität beschäftigt und damals auch mehrere verschiedene Kurse besucht. In sämtlichen Kursen war ich die jüngste Teilnehmerin, was mich jedoch in keiner Weise gestört hätte. Dabei ist mir eine Situation fast Déjà-vu-artig ständig wiederholt vorgefallen: Ich kam mit jemandem etwas tiefer ins Gespräch über verschiedene Themen zu Energiearbeit, Sensitivität, Heilarbeit oder ähnlichem. Irgendwann sagte mir die andere Person: „Du hast so einen grossen Vorteil, dass du das alles schon so jung weißt. Wenn ich damals schon die Möglichkeit gehabt hätte, mir dieses Wissen zugänglich zu machen, dann hätte ich ein ganz anderes Leben geführt….“

Okay ich muss gestehen, dass ich in all diesen praktisch identischen Aussagen einen gewissen Grad an Missgunst durchaus auch spüren konnte. Allerdings konnte ich zu diesem Zeit nicht wirklich nachvollziehen, von was die Menschen genau sprachen, denn ich war immer sensitiv und habe immer die Energien auch wahrgenommen. Das war für mich nichts Neues. Allerdings bin ich auch heute noch der Meinung, dass wir in uns für alles eine Antwort finden können, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch keinen passenden Kurs oder Google-Eintrag dazu gibt.

Auf was will ich aber damit hinaus? Heute treffe ich immer wieder auf Frauen, welche sich bereits in den 30-40ern befinden. Sie haben die wilden Jahre durchlebt und ihre Entscheidungen getroffen. Sie haben gelebt, geliebt und das Leben gemeistert. Und dennoch treffen sie plötzlich an einen Punkt, an dem sie aufwachen und sich fragen, wann genau ist mir mein Leben entglitten? Wann genau habe ich mich mitreissen lassen bei Entscheidungen, anstatt auf mein Bauchgefühl zu hören? Wann genau habe ich aufgehört meinen Mann zu lieben oder nur noch für meine Kinder da zu sein? Wann genau habe ich entschieden, dass ich für meine Partnerschaft und gegen meine Freunde, Kinderplanung, Weiterbildungen (was auch immer) bin?

Wenn ich mit diesen Frauen spreche, wann sie zum letzten Mal sich selber waren, Freude am Leben hatten, mutig waren, selbstsicher, innerlich ausgeglichen, dann ist das immer schon eine ganze Weile her. Und da ist er dann wieder. Dieser Moment wo man bedauert, dass man nicht schon früher damit angefangen hat. Damit, sich selber gegenüber ehrlich zu sein.

Aber auch noch viel mehr: Damit sich einen Moment des Rückzugs und der Stille zu gönnen, um sich selber zu spüren! Zu fühlen: Was will ich wirklich? Was tut mir gut? Was tut meiner Familie gut? Was tut meiner Partnerschaft gut? Was tut meinem Körper gut? Will ich das alles noch?

Es ist nie zu spät sich diese Fragen zu stellen und sich auch den eigenen Antworten zu stellen. Sich sozusagen in Zwiesprache mit seiner Seele zu begeben und ihr dann mutig zu folgen. Denn das was nach diesen Fragen kommt, benötigt eine grosse Portion Mut. Ich kann aber auch aus Erfahrung sagen, dass diese Frauen, welche sich mutig und ehrlich diese Fragen gestellt haben, dann auch so richtig die Welt ausmisten. Es bleibt kein Stein auf dem anderen und alles wird geprüft und neu entschieden. Der Zeitpunkt, ob man das immer wieder mal im Leben macht oder eben erst nach 10-20 Jahren, spielt eigentlich keine Rolle. Entscheiden ist, dass du dir dafür keine Schuld gibst, dass du in den letzten Jahren einfach keine Zeit, Nerven oder Lust hattest, dich dieser Realität zu stellen. Aber dass du heute so frei bist, deine Wahl neu zu treffen und damit dein Leben neu betrachtest.